Entwickeln, Pflanzen

Warum sich mit dem Klimawandel auch die Städte ändern müssen

Klimawandel? War das nicht etwas, über das sich die Anwohner von Polkappen und Gletschern Gedanken machen müssen? Oder Menschen auf entfernten, vom steigenden Ozean gefährdeten Inselatollen?

Ähm: Nein. Denn entgegen mancher Großstädtermeinung sind die Städte – ja, auch die in den gemäßigten Breiten – nicht von der Natur abgekoppelt. Auch in Berlin, Hamburg oder München bekommen wir die Folgen des Klimawandels zu spüren. Nur halt nicht in Form von bröckelnden Gletschern, sondern so:

Oder auch so:

Denn wenn man nicht gerade US-amerikanischer Präsidentschaftskandidat oder Frauke Petry ist, dann akzeptiert man starken Regen und große Hitze als Folgen des sich durch menschliches Handeln wandelnden Klimas. Und das ist nicht nur ärgerlich für alle Besitzer von Kellerräumen, Autos oder Erdgeschoss-Büros, sondern sogar lebensgefährlich. Forscher haben ermittelt, dass in Berlin zwischen 2001 und 2010 etwa fünf Prozent aller Todesfälle von Menschen über 65 Jahren durch hohe Temperaturen zu erklären waren.

Deutsche Kommunen haben diese Gefahren nicht nur erkannt, sondern auch Strategien entwickelt, damit umzugehen. Zum Beispiel folgende:

Grüne Dächer

In Hamburg sollen etwa 100 Hektar Dachflächen bepflanzt werden, was drei Vorteile bietet: Bei starkem Regen speichern die bepflanzten Flächen Wasser zwischen, was Überschwemmungen entgegenwirkt. Das Grünzeug ist gut für die Luft. Und zwanzig Prozent der Dächer sollen als Parks, Sportplätze oder Gemeinschaftsgärtnern für die Nachbarschaft geöffnet werden, und Grünflächen kann man in einer Stadt nie genug haben.

Grüne Höfe

Gleiches Prinzip wie die grünen Dächer in Hamburg, nur diesmal in der Stadt der Hinterhöfe: In Berlin werden zubetonierte Hinterhöfe entsiegelt und begrünt. Auch das hilft Klima wie Anwohnern gleichermaßen.

Helle Baumaterialen

Als in Saarbrücken die Uferpromenade an der Saar neu gestaltet wurde, entschied man sich für helles Gestein als Bodenbelag. Während dunkle Oberflächen die Hitze der Sonne speichern und somit zusätzlich die Temperaturen nach oben treiben, reflektieren ihre hellen Pendants einen Teil der Strahlung, was eine schnellere Abkühlung ermöglicht. Die hellen Hausfassaden etwa in Spanien oder Italien beweisen seit Jahrhunderten, dass dieses Prinzip funktioniert. Jetzt arbeitet es auch für hitzegebeutelte Saarbrücker.

Grüne Zimmer

In Ludwigsburg wurde auf dem bis dato recht steinigen Rathausplatz ein grünes Zimmer errichtet. Darunter vorstellen muss man sich eine Art Mini-Park, der von bepflanzten Wänden begrenzt wird. Während die Gebäude die Hitze speichern und den Aufenthalt im Stadtzentrum eher unerträglich machen, bleibt es im Zimmer angenehm kühl.

Geteilte Abwassergebühr

In Karlsruhe wird bereits seit 2008 die Gebühr für die Wasserentsorgung gesplittet in eine fürs Schmutzwasser und eine für den Niederschlag. Wer seine Grundstücke stark versiegelt, bei dem fällt mehr Regenwasser an und der muss mehr bezahlen. Die Stadt hat daraufhin beobachtet, dass bei Neubauprojekten Oberflächenbeläge bevorzugt wurden, bei denen das Wasser versickern kann.

Weitere Infos dazu, wie Städte dem Klimawandel begegnen können, bietet eine  Broschüre des Bundesamtes für Bau-, Stadt- und Raumplanung, die man hier herunterladen kann.

Foto: TonyTheTiger, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia 

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1 Kommentar

  • Antworten Stefan Frerichs 21. Oktober 2016 um 10:43

    Einen systematischen Überblick und praxisnahe Hinweise zur Umsetzung von kommunalen Anpassungsmaßnahmen mit Hilfe des planerischen Instrumentariums bietet die Praxishilfe „Klimaanpassung in der räumlichen Planung“, die in Kürze durch das Umweltbundesamt veröffentlicht wird. Die Praxishilfe ist im Rahmen des F+E Vorhaben „Raum- und fachplanerische Handlungsoptionen zur Anpassung der Siedlungs- und Infrastrukturen an den Klimawandel“ entstanden und basiert auf der Auswertung einer Reihe von Fallstudien zu allen Handlungsfeldern der Klimaanpassung auf kommunaler Ebeen aus der gesamten Bundesrepublik. Bereits erschienen ist das „Ergänzungsmodul: Fördermöglichkeiten für Kommunen zur Umsetzung von räumlichen Anpassungsmaßnahmen“ . Der Bericht zeigt die vielen Möglichkeiten auf, Anpassungsmaßnahmen mit Hilfe des Förderinstrumentariums der EU, des Bundes und der Länder zu finanzieren.
    Und übrigens: Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels macht nur Sinn, wenn auch die Ursachen bekämpft werden. Auch hier stellt das Umweltbundesamt neben vielen anderen Materialien eine Praxishilfe für Kommunen zur Verfügung, die kostenfrei bezogen werden kann: Praxishilfe „Klimaanpassung in der räumlichen Planung. Gestaltungsmöglichkeiten der Raumordnung und Bauleitplanung“ .

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