Fahren

Vom Park- zum Sitzplatz

Kaum sind die Temperaturen so weit, dass man sich ohne Schneeanzug nach draußen setzen kann, dann wird das so gemacht. Doch je wärmer es wird, desto voller wird es auf den Bürgersteigen vor Cafés und Bars. Wer einen Kinderwagen dabei hat oder ein Fahrrad schiebt, für den ist schnell kein Durchkommen mehr. Genervte Mitarbeiter des Ordnungsamtes markieren mit Farbe, wie weit die Gastronomie sich ausdehnen darf. Noch genervtere Besucher schieben ihre Stühle immer wieder über die Linie.

In Warschau ist man auf eine verrückte Idee gekommen, um Abhilfe zu schaffen: Der Platz wird nur zum Teil den Fußgängern abgeknapst, dafür müssen die Autoparker weichen. Meist sind es, so meine Beobachtung, nur zwei Längsparkplätze, die den Gastronomien zur Verfügung gestellt werden, um von diesen zu kleinen Terrassen umgebaut zu werden. Dort haben dann aber locker 15 Menschen Platz, um draußen zu sitzen und Kaffee oder Bier zu trinken.

Der Professionalisierungsgrad der kleinen Vorgärten ist ziemlich unterschiedlich. Manches Café hat sich selbst etwas aus Europaletten gezimmert; offenbar bieten aber auch große Getränkehersteller Fertiglösungen mit ihrem Logo (was wesentlich uncharmanter aussieht).

Dass das Abstelluen von privaten Fahrzeugen ganz schön viel Platz im öffentlichen Raum einnimmt, darauf macht seit zehn Jahren der mittlerweile weltweit praktizierte Parking Day aufmerksam. Für einen Tag werden mit Rollrasen und Sonnenstuhl Stellplätze blockiert und umgenutzt. Dabei handelt es sich aber mehr um Kunstaktionen. Die Warschauer Variante ist hingegen nachhaltig.

Natürlich kann man kritisieren, dass damit öffentlicher Raum zumindest für die Sommermonate privatisiert wird, denn wo ein Café seine Stühle hingestellt hat, darf man sich nur aufhalten, wenn man auch etwas konsumiert. Auf der anderen Seite ist der Platz, wenn jemand seinen Wagen darauf parkt, auch blockiert. Und die Straße wirkt viel freundlicher, wenn man dort statt stehender Autos sitzende Menschen sieht.

Eine der Parkplatzterrassen in Warschau.

Fotos (2): jw

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2 Kommentare

  • Antworten Max 14. August 2015 um 3:09

    Hier in San Francisco gibt es relativ viele „Parklets“. Das gleiche Prinzip und alle sehen unterschiedlich aus. So weit ich verstanden habe werden die meist von Restaurants beantragt und errichtet, müssen aber öffentlich nutzbar sein, also auch ohne, dass man was in dem Restaurant isst.

    https://www.google.com/search?q=san+francisco+parklets&client=safari&hl=de&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0CDMQ7AlqFQoTCNSyu8uwp8cCFchWiAodG8QACA

  • Antworten Tine 14. August 2015 um 14:23

    Ich finde es eine gute Idee. Am besten natürlich dann, wenn es wie in den Parklets noch öffentliche Bereiche oder auch Fahrradparker gibt.
    Was ich wichtig finde, dass es von außen und von innen gedacht wird. Oft wird es nur von der Kneipe aus und vom Gehweg aus gedacht. Man möchte sich zur Straße abschotten, was verständlich ist. Aber von der Straße aus entstehen dann nur neue „Wände“. Hier finde ich die halbtransparenten Lösungen besser.
    Aber das Gleiche ist ja auch bei Cafés in Fußgängerzonen und auf Plätzen. In Deutschland ist die Tendenz zum Abschotten groß, ich würde immer auf dem Platz selbst sitzen wollen und nicht hinter einer hohen Hecke.

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