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Urban No. 5

Na, wie riecht’s? Nach Auspuffgasen? Hundescheiße? Kloake? Oder doch nach gemähtem Rasen?Frisch gebackenem Brot? Kaffee?

Wenn wir ehrlich sind, erwarten wir vom Geruch einer Stadt nicht viel. Meist ist man schon froh, wenn es nicht zu sehr stinkt. Doch damit tut man den Städten nicht nur Unrecht, sondern man vergibt auch eine große Chance, meint eine Forschergruppe aus den USA und Großbritannien.

Für London und Barcelona hat sie gerade Smelly Maps erstellt, also Geruchskarten, auf denen sich der in einer Straße vorherrschende Geruch ablesen lässt, und die so aussehen:

Zwei Vorarbeiten waren für die Karten nötig: Zunächst haben die Forscher in verschiedenen europäischen und US-amerikanischen Städten mit Freiwilligen Smellwalks (ganz recht, das wird hier ein Festival der Smell-Wortspiele) unternommen – Spaziergänge, bei denen jeder die von ihm wahrgenommenen Gerüche dokumentierte. Daraus wurde dann ein Urban Smell Dictionary kreiert, das 285 Begriffe und damit unterschiedliche Gerüche beinhaltet.

In einem zweiten Schritt haben sie sich ins Internet begeben und viele tausend Tweets sowie Fotos aus Flickr- und Instagram-Accounts analysiert, aus denen sich sowohl auf einen Ort als auch auf einen Geruch aus dem Wörterbuch rückschließen ließ. So erhielt man ein komplexes Wissen, das wiederum vereinfacht in den Smell Maps festgehalten wurde.

Sehr schön. Aber was soll das?

Der Geruch beeinflusst uns und die Entwicklung unserer Städte. Das lässt sich zum Beispiel an den europäischen Exemplaren ablesen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts stark gewachsen sind. Die reichen Villenviertel finden sich dort meist im Westen, während im Osten die Arbeiter lebten. Der Grund dafür heißt Westwinddrift und beschreibt die in unseren Breiten vorherrschende Windrichtung: aus Westen.

Die Städte der Industrialisierung waren voller Fabriken und entsprechend stinkig. Der Wind trieb den Geruch Richtung Osten, wo niemand leben wollte, der es sich anders leisten konnte.

Heute sind die Gerüche ebenso wir ihr Einfluss kleinteiliger, doch immer noch vorhanden. Dass auch sie unser Wohlbefinden in Städten beeinflussen, und dieses nicht nur von schöner Architektur, gepflegten Parks und ausreichend Parkplätzen abhängt, wollen die Forscher vermitteln. Das sollte auch bei der Stadtplanung berücksichtig werden, meinen sie.

Wo es zu stark nach Auspuffgasen riecht, kann man die Ampelschaltung ändern. Andernorts hilft das Pflanzen von Bäumen. Und manchmal reicht es auch schon, die Mülltonnen umzuräumen. Man muss nur darauf achten. Darum geht’s.

Die gesamte Studie lässt sich hier nachlesen. 

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2 Kommentare

  • Antworten kdm 18. August 2015 um 13:08

    Ostberlin, als es noch DDR war, hatte einen ganz eigenen Geruch.
    Ein Eingeborener erklärte mir (Westberliner) damals, das sei a) ein bestimmtes Reinigungsmittel, mit dem die Böden (Flure, Büros, etc.) saubergehalten werden, und B) die Braunkohle, die man sommers vor den Wohnhäusern ablud und dann (später) in die Keller dieser Häuser schüttete und noch später verbrannte.

  • Antworten Karte der Gerüche » URBANOPHIL 8. September 2015 um 6:22

    […] Sehr schön. Aber was soll das? […] Wo es zu stark nach Auspuffgasen riecht, kann man die Ampelschaltung ändern. Andernorts hilft das Pflanzen von Bäumen. Und manchmal reicht es auch schon, die Mülltonnen umzuräumen. Man muss nur darauf achten. Darum geht’s. (ZentraleOrte) […]

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