Fahren

Vom Park- zum Sitzplatz

Kaum sind die Temperaturen so weit, dass man sich ohne Schneeanzug nach draußen setzen kann, dann wird das so gemacht. Doch je wärmer es wird, desto voller wird es auf den Bürgersteigen vor Cafés und Bars. Wer einen Kinderwagen dabei hat oder ein Fahrrad schiebt, für den ist schnell kein Durchkommen mehr. Genervte Mitarbeiter des Ordnungsamtes markieren mit Farbe, wie weit die Gastronomie sich ausdehnen darf. Noch genervtere Besucher schieben ihre Stühle immer wieder über die Linie.

In Warschau ist man auf eine verrückte Idee gekommen, um Abhilfe zu schaffen: Der Platz wird nur zum Teil den Fußgängern abgeknapst, dafür müssen die Autoparker weichen. Meist sind es, so meine Beobachtung, nur zwei Längsparkplätze, die den Gastronomien zur Verfügung gestellt werden, um von diesen zu kleinen Terrassen umgebaut zu werden. Dort haben dann aber locker 15 Menschen Platz, um draußen zu sitzen und Kaffee oder Bier zu trinken.

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Entwickeln

Urban No. 5

Na, wie riecht’s? Nach Auspuffgasen? Hundescheiße? Kloake? Oder doch nach gemähtem Rasen?Frisch gebackenem Brot? Kaffee?

Wenn wir ehrlich sind, erwarten wir vom Geruch einer Stadt nicht viel. Meist ist man schon froh, wenn es nicht zu sehr stinkt. Doch damit tut man den Städten nicht nur Unrecht, sondern man vergibt auch eine große Chance, meint eine Forschergruppe aus den USA und Großbritannien.

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Entwickeln, Miteinander

Nachts schlafen die Städte nicht

Am Brüsseler Platz ist es am schönsten, wenn man woanders wohnt. Dann kann man dort im Sommer draußen sitzen, günstiges Bier aus dem Supermarkt trinken und sich darüber freuen, dass man in Köln auch einen netten Abend verbringen kann, ohne dafür Eintritt oder astronomische Cocktailpreise zu bezahlen.

Für Anwohner sieht das ein bisschen anders aus. Erst können diese vor lauter Lärm nicht schlafen, später müssen sie sich auf dem Weg zur Arbeit durch eine fiese Mischung aus Glasscherben, Burgerresten und Urin schlagen.

Wir haben ein Recht auf Ruhe, meinen die Einen. Wir haben ein Recht auf öffentlichen Raum, meinen die Anderen. Um die Lage zu beruhigen, hat die Politik viel Geld in ein Mediationsverfahren gesteckt, ein Alkoholverbot diskutiert und die Straßenlaternen früher abgeschaltet, um eine Aufbruchsstimmung zu verbreiten. Ein Platz im unbewohnten Grüngürtel in der Nähe wurde als alternativer Treffpunkt angepriesen, während das Stadtmarketing durch Verschweigen des Brüsseler Platzes wenigstens die Touristen fernzuhalten versuchte. Doch gefruchtet hat keiner dieser Ansätze. Das ist typisch.

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Entwickeln, Miteinander

Ist das meins? Berlin und seine Liegenschaften

„Niemand hat einen Überblick, wem was gehört.“

„Bitte, was?!“ möchte man aufspringend rufen, als Margaretha Sudhof (SPD), Staatssekretärin der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen diesen Satz zum Ende der vergangenen Woche in den Raum des Tschechischen Zentrums stellt.

Es ist der Eröffnungstag des Make-City-Festivals „für Architektur und Andersmachen“, wie es die Veranstalter nennen. Bis Ende Juni wird sich in unzähligen Veranstaltungen damit auseinandergesetzt, was wir jetzt machen mit der wachsenden Stadt mit wenig Geld und großen Erwartungen. An diesem Abend soll es um die Berliner Liegenschaftspolitik gehen und damit um die Frage, was das Land mit seinen eigenen Grundstücken und Immobilien anfangen soll, jetzt, da der Verkauf an den Meistbietenden nicht mehr als Maß alles Dinge gilt.

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Entwickeln, Kaufen, Mieten, Wohnen

Das Kreuz des Königs

In King’s Cross ist alles umsonst. Man möchte die Ausstellung im Besucherzentrum ansehen? Spontan an der Führung teilnehmen? Ein paar der hübschen Postkarten mitnehmen? Gleich zwei der dicken Hochglanzbroschüren? Alles kein Problem! Geld spielt hier keine Rolle! Zumindest, wenn es darum geht, interessierte Besucher von der Großartigkeit dieses Projektes zu überzeugen, das in seiner Dimension sogar für das gerade massiv wachsende London einmalig ist.

Über 150 Jahre ist es her, dass am damaligen nördlichen Stadtrand im Zuge der Industrialisierung zwei Bahnhöfe entstanden: St. Pancras und King’s Cross – eine Statue König George des IV., die eine Zeitlang an einer örtlichen Straßenkreuzung stand, gab dem gesamten Areal seinen Namen. (Einen Stadtplan aus der Zeit findet man hier.)

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Mieten, Vergangen, Wohnen

Wohnen auf der Autobahn

Dort drüben, gleich hinter der Autobahnauffahrt, hat sich eine sehr große Echse zur Ruhe gelegt. Wie ein Gebirge ragen ihre Zacken in den Himmel, während aus ihrem Bauch ohne Unterlass Autos herausrollen.

So sollte sie aussehen, die Zukunft des Wohnungsbaus, dachten sich Ende der 1970er Jahre die Architekten Gerhard Heinrichs sowie Gerhard und Klaus Krebs, als sie die Wohnsiedlung Schlangenbader Straße im Berliner Ortsteil Wilmersdorf konzipierten. Damals stand das räumlich begrenzte West-Berlin vor zwei Herausforderungen: Es fehlte an Wohnraum, und zudem wollte man die Stadt mit einem Netz an Autobahnen durchziehen. Beides zu kombinieren erschien die optimale Lösung.

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Unser Fluss soll sauberer werden

Mitten auf dem Neckar steht ein Skatepark. Skateboarder machen dort, was Skatboarder so machen müssen – gewagte Sprünge -, während die künstliche Insel unter ihren Rollen den Fluss vor Verschmutzung durch Kloake bewahrt.

Es klingt wahrlich nach einer abenteuerlichen Kombination, die im vergangenen Semester am Institut für Baukonstruktion der Universität Stuttgart erdacht wurde. Zwar handelt es sich bei dem studentischen Projekt nur um Entwürfe. Die Probleme, die damit angegangen werden sollen, sind jedoch real.

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Die Erfindung des Stadtverkehrs

Wien 1814. Dort, wo heute die berühmte Ringstraße verläuft, befindet sich die Stadtmauer. Innen liegt das Zentrum mit Hofburg und Stephansdom, draußen die Vorstadt. Statt den heutigen 1,7 Millionen zählt die Stadt gerade einmal 250.000 Einwohner und ist damit hinter London und Paris doch die drittgrößte Europas.

Zwei Mal hat Napoleon sie in den vergangenen Jahren eingenommen, bevor der Siegeszug seiner Truppen 1813 bei Leipzig endete. Ein Jahr später tagen in Wien die europäischen Machthaber, um das politische Gefüge des Kontinents neu zu ordnen. Restauration lautet das Wort, an das man sich in diesem Zusammenhang aus dem Geschichtsunterricht erinnert. Doch Wien war damals nicht nur der Ort, an dem Fürsten und Kaiser sich noch einmal ihrer Macht versicherten. Erstmals musste eine Stadt angesichts der Vielzahl von Besuchern erleben, was Verkehrschaos bedeutet, und lernen, wie man es bändigt.

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Mieten, Vergangen, Wohnen

Mietwunder Wien

50 Quadratmeter, zentrale Lage, 230 Euro Miete – und das in einer europäischen Hauptstadt, die beständig wächst und laut Prognose in fünfzehn Jahren über 200.000 Einwohner dazugewinnen soll.

Es klingt wie ein kleines Wunder, das der Bayerische Rundfunk für seine Sendung „Jetzt mal ehrlich“ ausgegraben hat, die sich dem Problem steigender Mieten widmete und gestern Abend im Fernsehen lief (hier kann man sie online nachschauen). Doch Wien scheint tatsächlich für Mieter ein gutes Pflaster zu sein: Um gerade einmal vier Prozent sind in den vergangenen vier Jahren laut Immobilienscout24 die Angebotsmieten dort gestiegen. In München kommt man im gleichen Zeitraum auf 19, in Berlin sogar auf 25 Prozent.

Wie Wien das macht? Ganz einfach: Es darf sich bei seinen Politikern von 1918 bedanken.

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