Fahren

Gehen geht auch

Wer sich auskennt, für den stellt sich die Frage nicht: Zwischen Stadtmitte und Französische Straße noch umsteigen? Auf keinen Fall! Da ist man zu Fuß schneller am Ziel als am richtigen Bahnsteig. Zwischen Greifswalder Straße und Landsberger Allee ist diese Lösung hingegen nicht zu empfehlen. Sonst bräuchte man statt 2 gleich 30 Minuten.

Für alle, die noch nie in Berlin waren, kommt hier die Auflösung: Die Rede ist von S- und U-Bahnstationen. Wer sich mit Hilfe eines Bahnplans von A nach B bewegt, weiß zwar immer, wie er fahren muss. Entfernungen und die exakte Lage der Stationen in der Stadt lassen sich jedoch schwer abschätzen, da derartige Karten schematisiert werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich strikt an den Fahrplan, auch wenn der Wechsel auf den Gehweg Zeit sparen könnte.

Das Londoner Verkehrsunternehmen Transport for London (TfL) hat dieses Manko erkannt und im November einen offiziellen Tube-Plan vorgestellt, auf dem auch die Zeiten verzeichnet sind, die man für einen Spaziergang zwischen den Stationen benötigt.

„It’s often quite a difficult message for us because people think we just do the Tube and buses, but we’re also responsible for roads, walking and cycling. We’re investing heavily in improving walking and cycling routes across London, with all the health benefits they bring. This is going to be great for people to see how quick and easy it is to so many stations“,

sagte ein TfL-Sprecher dem Telegraph. Wer ab und an mal eine Station läuft, entlastet nicht nur das überlaufene U-Bahn-System, sondern tut auch etwas für seine Gesundheit, so die Idee. Die nun auch Paris erreicht hat.

Vor ein paar Tagen hat der Ingenieur Guillaume Martinetti einen entsprechenden Plan für die Métro veröffentlicht. (Die komplette Karte lässt sich hier ansehen.)

Erstellt hat er ihn mit Hilfe von Exel und Google Maps. Letzteres sorge dafür, dass die angegebenen Zeiten nicht ganz exakt seien, erklärte er dem Figaro. Schließlich berücksichtige Maps bei der Berechnung von Entfernungen keine Wartezeiten vor Ampeln. Dafür sei der Pariser im Schnitt etwas flotter zu Fuß als die 4,5 Kilometer pro Stunde, die Google ihm zutraut.

Alternativen zu den angestammten Fahrplänen werden immer wieder kreiert. Mal sind die Stationen des Berliner Netzes ins Englische übersetzt, mal geographisch korrekter angeordnet. Vom Londoner U-Bahn-System gibt es eine römische und eine weihnachtliche Variante sowie eine, in der die Stationen durch die besten Cafés der Gegend ersetzt wurden. Auch Versionen mit Fußentfernungen waren bereits im Umlauf, bevor TfL die offiziellen Version nachschob.

Wer jedoch wissen möchte, wie weit zwei Stationen voneinander entfernt sind, die nicht auf derselben Linie liegen, und welchen Straßen man auf seinem Weg folgen sollte, muss weiterhin einen Stadtplan konsultieren. Denn auch der Plan mit den fußläufigen Zeiten bildet nicht ab, wie es über der Erde aussieht.

Die Veröffentlichung der Métro-Karte erfolgt mit freundlicher Erlaubnis von Guillaume Martinetti. 

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